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Porto im Dezember – Perle am Atlantik

1. Oktober 2017

Atemlos durch die Straßen Portos

Kennt ihr diesen Ort, den man sofort ins Herz schließt? Ein Ort, an dem man noch nie gewesen ist aber in den man sich aufgrund seiner warmen Ausstrahlung augenblicklich verliebt. So ein Ort ist Porto. Bei Reisen nach Portugal bringt man das Land ganz schnell mit Lissabon, bizarren Felsformationen und heißen Surf-Spots in Verbindung. Dabei ist die Stadt Porto schon seit geraumer Zeit ein beliebter Geheimtipp unter Individual Reisenden, denn Lissabons kleine Schwester ist ganz großes Kino für Reiseliebhaber.
Ich gebe es aber zu: Da ich vor der Reise nach Porto noch nie in Portugal gewesen bin, wollte ich am Anfang unbedingt nach Lissabon!

Dieser Wunsch entstand nachdem ich mit Freunden gesprochen habe, die in Lissabon ein Auslandssemester gemacht haben. In Lissabon sei viel mehr los, es sei bunter, vielfältiger, schöner. Aber zu dem Zeitpunkt als ich fliegen wollte, gab es leider keine passenden Flüge in meiner Nähe. Also haben meine bessere Hälfte und ich uns nach einer Alternative umgeschaut und sind schnell auf Porto gestoßen. Und unsere Neugier wurde sofort geweckt. Prompt waren die Flüge gebucht und die Reise konnte beginnen.

Bereits bei der Ankunft erlebten wir eine Überraschung: Die als Portugals verregnete und leicht morbide beschriebene Stadt empfing uns mit blauem Himmel, Sonnenschein und angenehmen Temperaturen von über 20 Grad mitten im Dezember. Unsere Erwartungen durch eine melancholische, geheimnisvolle, graue Stadt zu schlendern, wie sie nur in einem Roman von Carlos Ruiz Zafon beschrieben werden kann, wurden zwar nicht erfüllt dafür aber kamen wir so richtig in mediterrane Urlaubsstimmung. Wir konnten unser Glück gar nicht fassen! Jedes Mal wenn ich in einer Stadt lande, die am Meer liegt, möchte ich so schnell wie möglich das Meer sehen. Es ist mittlerweile zu einem Ritual geworden.

Ausgerüstet mit meiner Kamera ging es zunächst zu einem Spaziergang entlang des Flusses Duoro, der im atlantischen Ozean mündet. „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“ hat Johann Wolfgang von Goethe mal gesagt. Und Recht hat er damit, wie ich finde. Ich liebe es neue Gegenden zu Fuß zu erkunden und kilometerweit spazieren zu gehen: Gemächlich aber konsequent. Es gibt nichts Schöneres als zu Fuß seine Umgebung wahrzunehmen. Wobei ich in Porto fast an meine persönliche Grenze gekommen bin…Aber dazu später. Diesen Spaziergang am Douru werde ich jedenfalls niemals vergessen.

Die Sonne war gerade am Untergehen und hüllte die Landschaft in ein diesiges goldenes Licht. Als würde man durch goldenen Nebel wandern. Von weitem konnte man Portos zweites Wahrzeichen erkennen: den kleinen alten Leuchtturm, der von surreal hohen Wellen täglich ausgepeitscht wird. Gespenstisch schön ist dieser Anblick und zieht Spaziergänger, Fischer und Reisende täglich in seinen Bann. Besonders schön war dieser Moment weil wir mitten unter einheimischen Fischern waren: Kaum Touristen, die Szenerie noch so ursprünglich und authentisch wie man sie sich als Gast nur wünschen kann. Natürlich wurden wir neugierig von den Fischern beobachtet. Vor allem meine blonden Haare sind anscheinend sehr aufgefallen. Es hatten sich wohl an diesem Tag noch nicht so viele Blondinen auf dem Weg zum Leuchtturm gemacht *lach*. Aber jetzt Spaß beiseite: Ich habe mich selten gleich so ausgeglichen und wohl in einer neuen Umgebung gefühlt, wie am Douro.

Wie friedlich und selbstverständlich der Fluss in den Ozean mündete, wie entspannt die Menschen auf Fluss und Meer blickten. Für mich war es ein Moment fürs Leben. Doch besonders berührt hat mich eine Szene als wir endlich am Leuchtturm angekommen sind. Eine ältere Frau mit müden und traurigen Augen ließ sich von den hohen Wellen nicht abschrecken und steuerte auf dem Steg zielgerichtet direkt auf den Leuchtturm zu. Sie ging um den Leuchtturm vorbei und blickte aufs Meer, als würde sie sich erinnern oder sich von jemanden verabschieden. Als sie nach einer Weile wieder zurückkam, hatte sie Tränen in den Augen. Was mir an ihr gleich aufgefallen ist, waren ihre geringelten bunten Socken. So melancholisch dieser Moment auch war, ihre bunten Socken zauberten mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich musste sofort an Lou aus „Ein ganzes halbes Jahr“ von JoJo Moyes denken. Wie kann man auch Menschen, die unabhängig von ihrem Alter bunte Ringelsocken tragen, nicht sofort ins Herz schließen?

Auch wenn es am Leuchtturm in Porto nur eine flüchtige Begegnung war: Es ist dieser bleibende Eindruck einer Stadt, ihrer Menschen, der Momente ihres Lebens. Das ist für mich was zählt, nicht daran denken, was fehlt, sondern erkennen was da ist.

Auch der nächste Tag war gefüllt von Sonnenschein und unendlich vielen neuen Impressionen. Unsere erste Anlaufstelle war die Buchhandlung Livraria Lello e Irmao. Wusstet ihr, dass dieser berühmte Buchladen ausgerechnet J.K. Rowling zu ihrer Romanreihe über Harry Potter inspiriert haben soll? Das behaupten jedenfalls viele Portugiesen. Denn J.K. Rowling hat drei Jahre lang in Porto gelebt und soll sich zu dieser Zeit oft in dem Buchladen aufgehalten haben. Und es finden sich in der Perle am Atlantik tatsächlich viele Parallelen zum Buch: Seien es die Studenten, die traditionell schwarze Umhänge tragen oder die zauberhafte, fast schon märchenhafte Atmosphäre der mittelalterlichen Gassen in der Stadt. Und so richtig magisch wird es in der Buchhandlung der Gebrüder Lello. The Guardian vergibt „Liraria Lello e Irmao“ den dritten Platz in der Rubrik „Schönster Buchladen der Welt“, während Lonely Planet den Buchladen sogar auf den 1. Platz der schönsten Buchhandlungen Europas setzt.

Das Jugendstilgebäude aus dem 19. Jahrhundert verzaubert auch heute noch die strömenden Besucher aus aller Welt. Man sollte sich jedoch am Anfang nicht von der langen Schlange am Eingang abschrecken lassen. Denn sobald man durch die Tür geht, betritt man einen zauberhaften, unvergleichlichen Ort. Natürlich ist die Buchhandlung ein Touristenmagnet, dennoch lohnt sich der Besuch auf jeden Fall. Bestimmt habt ihr „Kevin allein in New York“ gesehen. „Liraria Lello e Irmao“ erinnert trotz der Bücher an den fiktiven Spielzeugladen aus dem Film. In so einer tollen Atmosphäre zu schmökern macht gleich viel mehr Spaß als in den gewohnten, heimischen Buchläden.

Viele Fotos und Eindrücke später ging es weiter zu Fuß entlang des Douru zur Brücke „Ponte Dom Luís I“, die die Stadt Porto mit den Portweinkellerein in Vila Nova de Gaia verbindet. Von den Schülern Gustav Eiffels Arthur und  Maurey Teofilo Seyrig erbaut, gilt die 385,25 Meter lange Brücke als Wahrzeichen der Stadt und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mit müden Füßen entschieden wir uns mit der Seilbahn zu fahren. Die Fahrt war recht günstig und in den Tickets war eine Weinprobe des berühmten Portweins inklusive. In einer urigen Weinkellerei bei Livemusik und am Kaminfeuer konnten wir uns entspannt ausruhen.

Bisher war keine Minute wie die andere in dieser quirligen und lebendigen Stadt. Besonders bemerkenswert ist, dass fast alle Sehenswürdigkeiten fußläufig gut zu erreichen sind. Unsere Füße brannten zwar nach dem dreitägigem Fußmarsch, aber es hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Durch die vielen neuen Eindrücke, vergaß man sogar manchmal, dass man bereits so lange auf den Beinen war. Ansonsten gibt es noch die U-Bahn und selbstverständlich die berühmte historische Tram, die optisch fast identisch ist mit der Bahn in Lissabon aber den Vorteil gegenüber ihrer großen Schwesterstadt hat, dass man in der Nebensaison nicht so lange anstehen muss, um mit ihr zu fahren.

Porto ist übrigens nicht nur die Stadt des Portweins, sondern auch der Cafés. Obwohl es auch viele Restaurants gibt, überwiegen in Porto die Cafés. Und fast jedes Café ist einzigartig und individuell eingerichtet. In der Nähe von der Universität gibt es viele hippe und sehr günstige Cafés, so wie das „Embaixada do Porto“ wo man bei Kaffee, Wein oder Tee in den Genuss von Analogfotografie und Vinylschallplatten kommen kann. Das Café ist eine Fusion aus einem Laden, der stylishe Polaroidkameras sowie Schallplattenspieler verkauft und einer Bar mit gelegentlichen Veranstaltungen.  In der Nähe vom Café befand sich ein alternativer Markt, an dem neben alten Schallplatten, regionaler Handwerkskunst auch unglaublich leckere vegane Cupcakes aus Kürbis angeboten wurden.

In den Restaurants werden vorzugsweise frischer Fisch und Meeresfrüchte serviert. Fast an jeder Ecke wird Bacalhau (also sprich: Kabeljau) angeboten. Wer ganz mutig ist, kann sich an die städtische Nationalspeise „Francesinha“ wagen (Anmerkung der Redaktion: nichts für schwache Mägen und Nerven!), die es fast in jeder Gaststätte zu essen gibt. Wer es lieber süßer mag, muss auf jeden Fall die leckeren Puddingtörtchen „Pasteis de nata“ probieren, die es an fast jeder Ecke zu probieren gibt.

Porto hat mein Herz erobert. Vielleicht weil ich dort so viele Szenen gesehen habe, die mich berührt haben: Wie etwa der ältere Mann, der mit einem Strauß Blumen durch die Gassen Portos schlenderte und ich mich insgeheim fragte, für wen wohl die schönen Blumen seien. Vielleicht weil es mich an so viele andere Städte erinnert und in dieser Symbiose doch so einzigartig ist. Mal ist es Lissabon, mal Paris und ganz oft ist es eine kleinere Ausgabe von Barcelona. Und doch ist es ganz anders. Ich bin verliebt. Möchtest du dich auch verlieben? Dann pack deinen Koffer und statte der Perle am Atlantik einen Besuch ab! Bevor deine Reise losgeht, kannst du dir hier schon mal vorab ein paar Impressionen holen:

  1. Ein schöner Bericht! Ich möchte nächstes Jahr endlich nach Portugal und du hast mir Porto gerade sehr viel schmackhafter gemacht! Bis jetzt hatte ich eher nur Lissabon und die Algarve auf dem Plan…

    Liebe Grüße,
    Johanna

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