Petit Chapeau

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Mauritius- Wo man auf zehn Hochzeiten gleichzeitig tanzen kann

12. Februar 2018

Part 1

Es gibt diese Orte auf der Welt, die ich schon immer mal besuchen wollte. Mauritius gehörte für mich jedoch nicht dazu. Klar, wenn meine Freundinnen mir vorgeschlagen haben, mal abends ins Mauritius zu gehen, hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken, sofort die laute Cocktailbar gegen eine paradiesische Insel eingetauscht aber ansonsten hatte ich Mauritius nicht gerade als das ultimative Reiseziel im Visier. Ich weiß noch nicht einmal, warum es mich nie nach Mauritius gezogen hat, denn der paradiesische Inselstaat ist sowohl kulturell als auch geografisch höchst interessant. Apropos Paradies: Schlägt man heutzutage einen Reiseführer über Mauritius auf, so kommt man unweigerlich an einem berühmten Zitat von Mark Twain kaum vorbei, das laut Reiseführer die Insel am besten beschreiben soll: “Zuerst wurde Mauritius geschaffen, dann das Paradies. Aber das Paradies war nur eine Kopie von Mauritius.“ Auf seiner Weltreise verschlug es Twain auch nach Mauritius und es finden sich einige Tagebucheinträge aus dem Werk „Fol­lo­wing the Equa­tor“ (dt. Folge dem Äqua­tor) über seinen Aufenthalt. Es wird jedoch gerne verschwiegen, dass das Zitat lediglich nur ein kleiner Ausschnitt seiner ursprünglichen Aussage ist. Denn im Originaltext geht es folgendermaßen weiter: „Ein ande­rer Bewoh­ner wird Ihnen sagen, dass dies eine Über­trei­bung ist; dass die bei­den Haupt­dör­fer, Port Louis und Cure­pipe, weit ent­fernt sind vom himm­li­schen Dasein; dass nie­mand in Port Louis lebt außer aus Zwang, und dass Cure­pipe der feuch­teste und reg­ne­rischste Ort der Welt ist.“ (Quelle: isla-mauricia.de/). Wie dem auch sei, verließ Mark die Insel angeblich mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Wenn Mark nur wüsste, dass sein Zitat nun zu Marketingzwecken missbraucht wird, hätte er wahrscheinlich gewährleistet, dass seine Aussagen nicht einfach aus dem Kontext gegriffen werden. Oder vielleicht doch nicht? Denn jeder, der schon mal die grüne Insel besucht hat, weiß, dass die Kurzversion des Zitats ganz und gar nicht verkehrt ist. Es beschreibt Mauritius sogar verdächtig gut. Woher ich das weiß? Ich habe anscheinend ein Faible dafür, Orte zu besuchen, die ursprünglich gar nicht auf meiner Bucketlist, Travel List oder welcher Liste auch immer standen. Und ich muss sagen, dass diese nicht geplanten Reisen zu den schönsten Erlebnissen meines Lebens zählen. Das nennt man wohl seine Comfort Zone verlassen und sich einfach mal auf etwas Neues einlassen. Bei mir war es jedoch eher eine Reise von der gemütlichen Comfort Zone zuhause in eine noch viel komfortablere und paradiesische Komfortzone in der Nähe vom Äquator. Selbst der lange Flug mit einer vergleichsweise eher günstigen Airline war überraschenderweise äußerst ruhig und komfortabel. Vor allem verging die Zeit wirklich wie im Flug. Als wir angekommen waren, war ich sofort völlig überwältigt von der Farbe des Himmels auf Mauritius.

Zauberhafter Sonnenuntergang am Flic en Flac Beach

Unsere Unterkunft befand sich am Flic en Flac Strand, an der Westküste der Insel.  Der etwa 6. Km lange Sandstrand ist der längste Strandabschnitt von Mauritius und lädt zu ausgiebigen Spaziergängen ein. Nach unserer Ankunft im Hotel und einem sehr leckeren, reichhaltigen Frühstück später, machten wir uns ruckzuck auf den Weg zum Strand. Mit „Weg“ meine ich ein paar wenige Meter bis die Füße vom Sand massiert wurden. Obwohl ich zunächst Bedenken hatte, was die Unterkunft am Flic en Flac Strand anging, weil es eine doch sehr touristische Gegend ist, gingen meine Zweifel spätestens dann in Luft auf, als sich vor mir das kitschigste und schönste Panorama ausbreitete, das ich jemals direkt aus einer Unterkunft gesehen habe: türkisfarbenes, durchsichtiges Wasser, hohe Kokospalmen und direkt dahinter der „Le Morne Brabant“, ein Berg wie ein grüner Leuchtturm. Vom Balkon aus unserem Zimmer war es ein Katzensprung zum Ozean. Einfach traumhaft!

Doch schon bereits beim ersten Spaziergang ist uns etwas Sonderbares aufgefallen: eine Hochzeit am Strand! Wie schön, dachten wir uns sofort, denn Mauritius ist ja bekannt dafür, dass hier gerne mal das ja Wort gesagt wird. Und wie oft! Wir laufen ein paar Meter weiter und werden wieder Zeugen einer weiteren tropischen Hochzeit. Alleine am ersten Tag haben wir vier Hochzeiten entlang des Strands von Flic en Flac gezählt. Zu der beeindruckendsten gehörte definitiv eine traditionelle indische Hochzeit, die, wenn man den Hotelgästen Glauben schenken darf, ganze vier Tage gefeiert wurde! Schon seit Jahrzehnten kommen Menschen aus aller Welt auf diese Insel im indischen Ozean, um sich das Ja Wort zu geben. Mauritius gilt als Schmelztiegel der Kulturen. Hier leben Christen, Hindus, Muslime und Gläubige anderer Religionen friedlich nebeneinander. Die Mauritier bezeichnen sich daher selbst als „Regenbogenkultur“. Diese bunte Kultur findet sich auch in der mauritischen beziehungsweise in der kreolischen Küche wieder. Das typische mauritische Essen ist eine Mischung aus indischen, afrikanischen und chinesischen Einflüssen. Diese besondere Mischung ist wahrlich eine Geschmacksexplosion auf der Zunge. Die Speisen sind stets gut gewürzt und oft sehr scharf. Genauso facettenreich wie die verschiedenen Wurzeln der Inselbewohner, ist auch die Landschaft: von weißen Traumstränden, riesigen Zuckerrohrplantagen über spektakuläre Wasserfälle bis zu atemberaubenden Bergpanoramen ist alles dabei. Bereits zu Beginn unseres Aufenthalts haben wir eine Delfin Tour vom Hotel aus gebucht. In der Nähe von Flic en Flac gibt es eine kleine Delfin Kolonie, die immer wieder mal vorbeischaut, weil sie höchstwahrscheinlich angefüttert wird. Wir waren ziemlich aufgeregt, zwar hatten wir schon mal vereinzelt Delfine in Amerika gesehen aber trotzdem ist es immer wieder ein Ereignis. Leider glich diese Delfin Tour eher einer peinlichen Hetzjagd. Die Delfine werden von unzähligen Booten und Katamaranen „umzingelt“ dann wird ein Tourist nach dem anderen ins Wasser geschubst. Daher kann ich sie nicht weiterempfehlen. Ich hatte bei der Tour mehr vom Allerwertesten eines Franzosen mitbekommen, der wie von einer Tarantel gestochen, sofort ins Wasser sprang, mich unter Wasser immer wieder überholte, um die Delfine zu fotografieren und mir somit die Sicht auf die Tiere versperrte. Dann bemerkte ich, dass meine Schnorchel Maske defekt war und ich ständig Wasser schlucken musste. Daraufhin hörte ich nur von unserem Tour Guide: „Madame, under the water! You must go under the water!“ Ach nee! Das hätte ich ja fast gar nicht vermutet. Ich wusste nur nicht ganz, ob ich lachen oder weinen sollte.

Delfin Bootstour Mauritius
Umzingelt von Dutzenden Booten

Video Delfine Mauritius

Am vierten Tag unseres Aufenthalts mieteten wir uns ein Auto und wussten bereits, dass wir uns auf ein Abenteuer eingelassen hatten…Das lag zunächst am Linksverkehr aber auch an der gewöhnungsbedürftigen Fahrweise der Einheimischen. Daher empfehle ich Touristen lieber auf ein Taxi zurückzugreifen, wenn man sich auf Mauritius nicht allzu gut auskennt, da es eine wesentliche stressfreiere Transportmöglichkeit und vor allem eine sicherere ist. Gerade wenn man sowieso nur ein bis zwei Tage Sightseeing machen möchte, ist es verhältnismäßig einfach und günstig, die Orte mit dem Taxi anzusteuern. Mauritius gilt zwar nicht als besonders kriminell und gefährlich, dennoch sollte man sich auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen. Gerade die Touren zu den Wasserfällen, wie beispielsweise zu den Rochester Falls, können sich als heikel herausstellen, da bereits einige Reisende davon berichtet haben, von einheimischen „Tourguides“ bedroht oder erpresst worden zu sein. Das ist zwar nicht die Regel, jedoch sollte man nicht allzu blauäugig auf Entdeckungstour gehen. Wir persönlich haben glücklicherweise nur positive Erfahrungen gemacht. Auf dem Weg zum „La Vanille Nature Park“ hatten wir uns verfahren und einen Mann auf seinem Moped nach dem Weg gefragt. Dieser fuhr mit uns durch enge Gassen und Slums, die stark an Indien erinnerten…. Wir waren bereits etwas skeptisch und hofften, dass wir nicht in eine Falle getappt waren aber er brachte uns tatsächlich bis zu den Toren des Parks. Als wir uns bei ihm herzlich bedankten, hat er sich einfach nur gefreut und ist davongefahren, ohne eine „Belohnung“ oder ähnliches zu erwarten. Das war eine freundliche Geste, an die wir uns einfach immer wieder gerne erinnern…

Wo die Affen los sind und was Riesenschildkröten beim Streicheln ihres Panzers fühlen, erfahrt ihr im zweiten Teil meiner Reportage…bleibt dran 😉

Bis dahin bekommt ihr schon mal einen ersten fotografischen Vorgeschmack auf die Schönheit von Mauritius

Hotel Sofitel L’Imperial Mauritius Eingang
Wenn Frühstücksträume wahr werden

Einer der farbenfrohen Sonnenuntergänge von Mauritius

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