Petit Chapeau

Reisen. Leben. Fühlen.
travel

Einfach mal liegen bleiben und Schiffe beobachten

12. November 2017

Warum ich von Mykonos nicht viel erwartet habe und vor Glück fast geplatzt bin (im wahrsten Sinne des Wortes)

Das erste Mal auf Mykonos war ich bereits vor einigen Jahren bei einer Zwischenlandung auf meinem Weg nach Santorin. Damals war ich froh, dass wir weitergeflogen sind, weil ich unbedingt Santorin sehen wollte und Mykonos mich daher als Reiseziel eher wenig gereizt hat. Aber ehrlich gesagt hatte ich damals keine Ahnung von der Insel und zu dem Zeitpunkt viele Schmetterlinge im Bauch. Aber das ist eine andere Geschichte…Unsere Geschichte führt uns diesmal nämlich nach Mykonos aber zunächst einmal erzähle ich, warum ich überhaupt meine Meinung über Mykonos geändert habe und dort unbedingt mal hinreisen wollte: Der Grund könnte nicht banaler sein – Instagram sei Dank bin ich dann doch noch auf die Insel aufmerksam geworden. Die vielen Bilder von entspannten schönen Menschen in einer traumhaften Zuckergussumgebung ließen mein Reiseherz schnell höher schlagen. Außerdem hatten mich meine Aufenthalte in Griechenland bisher noch nie enttäuscht. In wenigen Flugstunden landet man nämlich in einem mediterranen Paradies und das ist genau das, was ich an Reisen innerhalb von Europa so liebe, ganz nach dem Motto: Das Gute liegt so nah! Denn ein paar Stunden nach Abflug erwartet einen einfach mal ein Sommer.

Bei dieser Reise war es jedoch nicht ganz der Fall, denn ich glaube, dass ich nicht die typische Jahreszeit für einen Mykonosurlaub ausgewählt habe. Das war jedoch eine ganz bewusste Entscheidung. Ich wollte mich nicht dem Hochsaisonwahnsinn ausliefern und stattdessen die Insel sehen, wenn sie kurz vor ihrem Winterschlaf ist. Zu dieser Zeit sind zwar immer noch viele Menschen auf Mykonos aber es geht allgemein viel beschaulicher und entspannter zu.  Zwar kann man im Oktober keine Temperaturen von 30 Grad erwarten doch als „Entschädigung“ entfaltet sich die Schönheit der Insel mit ihren fast menschenleeren Stränden und atemberaubenden Sehenswürdigkeiten. Die Küste wirkt wie blank geputzt vom starken Wind, der oft über die Insel weht. Den Menschen und den weißen Häuserfassaden scheint er jedoch nichts auszumachen, ganz im Gegenteil, die  glänzen wie Perlenketten in der Sonne. Nachdem ich bereits Santorin und Zakynthos gesehen habe, hatte ich keine allzu großen Erwartungen an Mykonos. Vielleicht weil ich schon mal gehört habe, dass Mykonos eindeutig zu den teuersten Inseln im Mittelmeer gehört, dazu auch noch eine Partyinsel ist und vielleicht weil ich sofort an meine enttäuschende Reise nach St. Tropez denken musste. Aber spätestens als ich im Hotel angekommen war und das erste Mal unser Zimmer betreten habe, war ich völlig hin und weg. Das Zimmer war gemütlich und schön, keine Frage aber was mich sofort in den Bann gezogen hat, war die riesige Terrasse mit direktem Blick auf das ägäische Meer und die Nachbarinseln Delos und Tinos. Vor Freude wäre ich schon fast geplatzt doch als ich noch die riesige Jacuzzi Badewanne auf der Terrasse entdeckt habe, konnte ich unser Glück gar nicht fassen!

Diese Landschaft direkt aus dem Zimmer zu sehen war schöner als Fliegen! Alles war perfekt, wie im Bilderbuch und noch atemberaubender als ich es mir hätte jemals ausmalen können. Morgens beim Aufwachen war das Erste, was ich sehen konnte, das Meer und die Schiffe, die darauf fuhren. „Kneift mich mal einer?“, fragte ich mich jedes Mal, wenn ich meine Augen öffnete und dann dieses wunderschöne Licht von Mykonos über dem Meer sah. Einfach einzigartig! Wir wohnten in dem malerischen Inseldorf Agios Stefanos in unmittelbarer Umgebung vom kleinen gleichnamigen Strand. Kennt ihr diese Postkarten bei denen man sich einfach denkt „ Wow, mehr Photoshop geht nicht, solche Farben kann es gar nicht in echt geben“. Genauso sieht Agios Stefanos aus, nur ganz ohne Photoshop.

Agios Stefanos Kirche und Strand

Das Dorf liegt etwa 5 km von Mykonos Stadt, die man stündlich bis Mitternacht bequem mit dem Bus erreichen kann. Mykonos Stadt ist ein unglaublich liebenswertes und quirliges Städtchen. Wenn man durch die labyrinthartigen, kleinen Gassen, die früher eigens für den Zweck konzipiert wurden, um Piraten und Eindringlinge zu verwirren, schlendert,  fühlt man sich ein bisschen wie in einem mediterranem Märchenland. Die typische Architektur der Kykladen faszinierte uns auf Anhieb. Mykonos Stadt ist wahrlich ein Träumchen in Weiß, Blau und Türkis. Und überall gibt es etwas zu entdecken: Seien es die unzählig vielen kleinen Boutiquen oder herrlich liebevoll dekorierten Restaurants und Cafés, oder die angesagten Clubs wie beispielsweise der „Skandinavian Bar and Club“ ist das Städtchen der perfekte Ort um auf Mykonos eine schöne Zeit zu verbringen. Hier ist auch in der Nebensaison noch viel los und es gibt viel zu sehen und zu shoppen. Man findet viele Designerboutiquen, die hauptsächlich schöne ausgewählte Hippie-und Vintagemode anbieten. Von kleinen bis zu sehr großen und einflussreichen Marken ist alles vertreten. Natürlich wollten auch wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen und Mykonos Stadt kennenlernen. Was wir dabei herausgefunden haben? Verirren lohnt sich! Denn nichtsahnend haben wir den einzigen und wahren VIP der Insel getroffen: Petros den Pelikan! Plötzlich stand er einfach vor uns und mir ist vor lauter Glücksgefühlen fast das Handy aus der Hand gefallen.

Petros wollte wohl gerade einkaufen gehen

Petros ist ein unglaublich süßer Kerl, nur leider hatte ich den Eindruck, dass der Arme mittlerweile an Burnout leidet. Bestimmt sind die vielen Menschen, die sich ständig mit ihm fotografieren lassen wollen, eine große Belastung für den Vogel aber ich bin schuldig im Sinne der Anklage, auch ich bin eine kleine Runde mit ihm spazieren gegangen, natürlich mit genügend Abstand. Trotzdem tut er mir leid. Ich hoffe, dass er ein Zuhause hat, wo er sich auch mal vor den Touris verstecken kann, sonst ist sein lustiger und niedlicher Auftritt einfach nur traurig. Zwar habe ich mich unglaublich gefreut ihn anzutreffen aber ich denke ein Pelikan sollte eigentlich ein artgerechteres Vogelleben führen…Mittlerweile gehört er jedoch zum Stadtbild dazu. Am Abend hatten wir ein gemütliches Abendessen direkt am Wasser und konnten den Sonnenuntergang bei leckerem Essen mit Blick auf die berühmten Mühlen genießen.

Mein Date mit Petros…ein Gentleman durch und durch

Am nächsten Tag ging es für uns mit dem Roller zum Armenistis Lighthouse. Ausgestattet mit Helmen (ich hatte einen in Pink!), kämpften wir uns gegen den starken Wind hoch auf die Klippen, vorbei an den kleinen zauberhaften Kirchen, wo sich dann vor uns ein atemberaubendes Panorama ausbreitete: Karge Felsformationen, vereinzelt mal ein paar Schafe und das türkisblaue Meer. Und dann mittendrin: der Leuchtturm in einer Landschaft, die genauso aus einem Set von „Herr der Ringe“ stammen könnte. Während sich im Hochsommer schon mal gerne viele Menschen am Leuchtturm tummeln, hatten wir ihn an diesem Herbsttag doch tatsächlich fast für uns alleine, bis auf ein paar Schafe und Hirtenhunde kamen kaum andere Besucher vorbei. Natürlich wurde die Gelegenheit gleich genutzt um Bilder zu machen.

Armenistis Lighthouse
Fast wie Fliegen

Der Wind, das Shooting und die frische Luft machten uns aber schnell hungrig, deswegen ging es für uns weiter in den Norden der Insel, wo ein echter aber auch mittlerweile sehr beliebter Geheimtipp auf uns wartete. Die Rede ist von Kiki’s Tavern, einer kleinen Taverne am Agios Sostis Beach, die täglich nur ein paar Stunden geöffnet hat. In Kiki’s Tavern gibt es kein Telefon und keine Elektrizität, dafür aber köstliches Essen und ein einzigartiges Konzept, das Besucher magisch anlockt. Ausgestattet mit nur wenigen Plätzen auf der Terrasse mit Blick über die bezaubernde Bucht, warten die Gäste vor dem Eingang und können sich währenddessen mit gekühltem Rosé oder Wasser versorgen. Bei der entspannten Atmosphäre und dem herrlichen Ausblick auf den Strand, entstehen schnell angenehme Gespräche mit anderen Reisenden. In der Hochsaison kann man jedoch auch mal mehrere Stunden warten. Wir waren daher sehr gespannt, ob wir in der Nebensaison überhaupt eine Warteschlange vorfinden würden. Als wir ankamen waren wir baff, tatsächlich standen schon circa 15 Personen an. Aber es ging dennoch relativ schnell. Vassilis der Restaurantbesitzer merkt sich jeden neuen Gast und führt jeden persönlich zum Tisch. Man sitzt in absolut gemütlicher Atmosphäre unter einem uralten wunderschönen Olivenbaum. Wir wählten einen Salat und frischen Fisch. Das Essen war wirklich köstlich mit außergewöhnlichem Geschmack. Mittlerweile ist die Taverne zwar sehr touristisch und man hört alle möglichen Sprachen, außer Griechisch, dennoch ist ein Besuch definitiv ein außergewöhnliches Erlebnis, das ich auf jeden Fall jedem empfehlen kann, der auf Mykonos ist.

Kiki’s Tavern

Die darauf folgenden Tage haben wir entspannt am Pool und am Strand verbracht, Sterne beobachtet und die Zeit einfach mal vergessen. Auch wenn in der Nebensaison bereits viele Geschäfte, Restaurants und Cafés leider schon geschlossen haben, war unser Mykonos Urlaub dennoch ein voller Erfolg. Wir lernten nette Menschen kennen, konnten immer wieder mal direkt am Strand Abend essen, haben sehr viel gesehen und die Insel kennen gelernt, bevor sie in ihren Dornröschenschlaf verfällt. Aber Bilder sagen bekanntermaßen noch mehr als Worte, also seht selbst 🙂 Hier noch einige Impressionen von dieser wunderschönen Insel:

Mykonos Town
Agios Stefanos Church


Saint Stefanos

Die Windmühlen dürfen selbstverständlich nicht fehlen

Mein Mykonos Travelguide

Was gibt’s zu sehen?

  • Mykonos Town

Mit ihren unzähligen, kleinen verwinkelten Gassen gehört Mykonos Stadt eindeutig zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Insel. In der Stadt ist für jeden Geschmack etwas dabei. Genießt die magische Atmosphäre in „Little Venice“, einer der romantischsten Ecken der Stadt. Bei einem spritzigen Cocktail könnt ihr hier den Tag direkt am Meer ausklingen lassen.

In der griechischen Mythologie ist Delos der Geburtsort von gleich zwei Göttern: den Zwillingen Apollon und Artemis. Delos galt in der Antike als heilige Insel des Apollo. Heute ist die ca. 6 km von Mykonos entfernte Insel ein umfangreiches Ausgrabungsfeld sowie Museum und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Ein Besuch lohnt sich, um die besondere und mystische Atmosphäre vergangener Tage zu spüren.

  • Armenistis Lighthouse

Schon die Fahrt zum Leuchtturm ist ein wahres Erlebnis. Die Aussicht ist einfach atemberaubend und der Anblick des Leuchtturms hat etwas Magisches!

Was gibt’s zu essen?
Vor Glück bin ich tatsächlich fast geplatzt, weil Mykonos ein kleines Paradies für alle Feinschmecker ist. Essen wird in Mykonos ganz groß geschrieben, denn die mykenische Küche bietet Gerichte für jeden Geschmack an. Wir haben mehrmals das ausgezeichnete Restaurant Reeza im Hotel Rocabella besucht und waren schlichtweg überwältigt vom intensiven und einzigartigen Geschmack der Speisen. Die Portionen der Hauptspeisen waren zwar vergleichsweise zu anderen Restaurants, recht klein, aber dafür geschmacklich ein wahrer Gaumenschmaus. Für den kleinen Hunger kann ich die wunderschöne Beach Bar direkt am Agios Stefanos empfehlen: Einfach leckere, selbstgemachte Gerichte direkt am Strand! Außerdem trifft man beim Essen auf viele einheimische Familien.

Adressen:
ROCABELLA Mykonos Hotel
Agios Stefanos
P.O Box 6042
84600 Mykonos
Saint Stefanos Snack Bar Cafe & Grill
Agios Stefanos
P.O Box 34
84600 Mykonos
Kiki’s Tavern
Agios Sostis Beach
84600 Mýkonos, Kikladhes, Greece

Meine Hotelempfehlungen für euch:
Untergekommen sind wir in dem wunderschönen Boutique Hotel Mykonian Mare. Ursprünglich war eigentlich ein anderes Hotel für unsere Reise geplant aber leider hatte es zu der Zeit nicht mehr offen. Aber im Russischen gibt es so ein Sprichwort: „Was nicht geschieht, geschieht zum Besten!“ Und genauso war es. Das Hotel, das Zimmer und die Aussicht waren einfach nur traumhaft. Dazu bietet die ideale Lage des Hotels, gleichzeitig Erholung und Entspannung aber auch die Möglichkeit, jederzeit Ausflüge zu unternehmen. Begeistert waren wir auch vom Nachbarhotel „Rocabella Mykonos“. Luxuriös aber gemütlich in hochwertigem Vintagedesign eingerichtet, bietet es ebenfalls einen fantastischen Ausblick auf das ägäische Meer sowie exzellenten aber nicht aufdringlichen Service. Wir haben es uns auf jeden Fall für unsere nächste Mykonosreise vorgemerkt.

Adressen:
Mykonian Mare Luxury Boutique Hotel
Agios Stefanos,
Mykonos 84600,
Greece
ROCABELLA Mykonos Hotel
Agios Stefanos
P.O Box 6042
84600 Mykonos

  1. Sehr schön geschriebener Artikel, Lina. Habe mir die Taverne gleich mal notiert, wir planen unseren nächsten Sommerurlaub auf mykonos zu verbringen. LG Nina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*